Lesen und aufbewahren! LIEBE KAMERADEN vom 2-ten JAGDGESCHWADER, Obit. Scherer, lieber Benkendorf, Fagenauf, Burda und andere! Mit defektem Motor und vielen Splittern in den Schultern und im Gesicht war ich gezwungen, am 8. 10. 42. auf dem russischen Territorium zu landen, denn die Maschine begann schon in der Luft zu brennen. In der Gefangenschaft fand ich Zeit und Muße, so manches durchzudenken und zu erkennen. Nun will ich mit Euch diese meine Gedanken teilen. Als wir seinerzeit gemeinsam das Flugblatt mit dem Aufruf EINSIEDELS gelesen haben, glaubten viele von uns nicht, daß er selbst geschrieben hat über die Aussichtslosigkeit des Krieges, über die Notwendigkeit mit dem Krieg Schluß zu machen, da er-EINSIEDELsich von der Stärke der Roten Armee und von ihrer Entschlossenheit, bis zum siegreichen Ende zu kämpfen, überzeugt habe. Jetzt kann ich selbst bestätigen, daß EINSIEDEL Recht hatte. Die Russen werden durch die Verluste nicht eingeschüchtert. Sie schaffen unermüdlich immer neue Armeen und immer vollkommenere Waffentypen. Durch unsere Erfolge geblendet betrachten wir unsere Gegner oft nicht mit dem gebührenden Ernst. Erst in der Gefangenschaft hatte ich die Möglichkeit, die Sachlage nüchtern einzuschätzen und zu beurteilen, umsomehr da ich mich mit Dokumenten vertraut gemacht habe, die uns von unserem OKW vorenthalten waren. Mir scheint, daß wir die Macht von England und besonders von USA unterschätzen. Ich selbst war stur in meiner Selbsteinbildung und Unterschätzung der uns drohenden Gefahr. 35 Während wir unsere Kräfte in den blutigen Bemühungen, im Osten einen Sieg zu erlangen, erschöpfen, sammeln unsere Gegner, England und USA, ruhig gigantische Kräfte. Indem wir in Rußland bleiben, gehen wir ihnen offensichtlich an die Hand. Die Fortsetzung des Kampfes in diesen grenzenlosen Räumen kann uns zur Katastrophe führen.. Wir müssen um jeden Preis aus Rußland heraus und zwar je schneller desto besser! Entschuldiget die etwas langen Erörterungen. Die Pflicht eines jeden von uns ist es, seine Meinung offen zum Ausdruck zu bringen. Ich bitte, meine liebe Mutter in der Heimat zu benachrichtigen, daß ich am Leben bin und nach Kriegsende heimkehren werde. Ihre Anschrift lautet: Frau Fillevi ROSE, Wiesbaden, Bismarckring 1. Bitte auch meinem Freund, Etn. SPANNAUS, Wiesbaden, Danzigerstr. 79, zu schreiben. Euer Helmut ROSE. Bei der Gefangengabe - Hände hoch, und niemand schießt auf Euch! T-112. th p.2, on. ep. rep. 19 PASSIERSCHEIN Deutsche Soldaten! Allen, die sich der Roten Armee gefangengeben, wird garantiert: das Leben, gute Behandlung und die Heimkehr nach Kriegsende. ПРОПУСК Немецкие солдаты! Всем, кто сдается в плен Красной Армии, обеспечена жизнь, хорошее обращение и возвращение на родину Володе войны. Государстве...ы. музей обороны ФОНД МУЗЕЯ HHB. N 455 33 895 p A-116 MORE